Zur Abwechslung mal westwärts reisen

08:37 Einsame Insel.de 0 Comments

Ich muss zugeben, dass ich etwas nachlässig geworden bin was das Schreiben des Blogs angeht.
Kürzlich wurde ich gefragt, wo ich denn meinen letzten Urlaub verbracht habe und ich dachte direkt an die lange und intensive Zeit in Südostasien - die auch schon wieder fast ein Jahr zurückliegt - und an eine schöne Woche in Finnland/ Estland letzten Spätsommer.

Aber Moment... war da nicht noch was?
New York City - eine Stadt, die man als Architekt 'unbedingt mal gesehen haben muss'.
Irgendwie... ich weiß gar nicht so recht, woran es liegt, ist mir diese einwöchige Städtereise im Februar kaum im Gedächtnis geblieben. ...zumindest nicht als 'einschneidendes Erlebnis'.
Es war ein bisschen wie ein Wochenendtrip in eine europäische Metropole - nur, dass die Häuser ein bisschen höher waren.


Nein, nein, die Achtmillionen-Einwohner-Stadt war keineswegs langweilig, unspektakulär oder nicht erinnerungswürdig... aber eben doch ein bisschen 'normaler' als die Rucksackreisen in den Jahren davor.

Nachdem ich meine Masterarbeit erfolgreich präsentiert hatte und quasi mein Abschlusszeugnis in Händen hielt war klar, dass ich ab März im Arbeitsleben sein und sich der Jahresurlaub auf einige Wochen beschränken würde. Ich glaube, zu dem Zeitpunkt ist mir auch erst bewusst geworden, wie viel Zeit ich während meines Studiums in anderen Ländern als Deutschland verbracht habe. Alleine die Exkursionen von der FH Aachen aus brachten mich nach Lubmin, Rügen, Usedom, Berlin (Deutschland), Istanbul und Edirne (Türkei), Lissabon, Porto und Umgebung (Portugal), Marseille, Arles und Umgebung (Frankreich), Peking, Guilin, Kunming und Shanghai (China).

Zurück zu New York: Die günstigen Angebote der Lufthansa klangen so verlockend, dass ich sogar meinen (nicht ganz so reiselustigen) Bruder Kersten erstaunlich schnell von meinem Reiseplan überzeugen konnte. In so einer Großstadt macht es eben auch mehr Spaß zu zweit als alleine.

Mit Kersten in Frank Lloyd Wrights Guggenheim Museum
Ein mittelmäßiges Hotel mit einem guten Angebot für unsere Aufenthaltsdauer war schnell gefunden (ich bin aus Asien eher Hostelzimmer gewohnt, im vergleich war das Best Western City Inn natürlich Luxus) - auch wenn Kersten den rückwärtigen Blick auf einen Friedhof bemängelte - dafür gab's vorne raus die Skyline von Manhatten und ein sehr üppiges Frühstück (amerikanisch mit Waffeln, Donuts und anderem Fettgebäck).

Wenn man schon nicht mit dem Rucksack reist, dann muss man zumindest morgens den kleinen Tagesrucksack packen und so lange durch die Stadt laufen, bis einem (wenigstens) die Füße wehtun. So ähnliche habe ich mir das zumindest gedacht, aber selbst an den Tagen, an denen ich Winterstiefel mit  Absatz trug, wollte Kersten eigentlich lieber die Tage am Nachmittag beenden. Irgendwie gingen wir auch ganz unterschiedlich mit dem Jetlag um - ich war morgens um fünf wach und mein kleiner Bruder versuchte auszuschlafen - was ich ihm natürlich nicht leichtgemacht habe.

Ich kann schon gut nachvollziehen, dass ich eine durchaus anstrengende Reisebegleitung bin. Besonders, wenn ich mich vorher ein bisschen 'schlau mache' und einiges auf dem Plan stehen habe, was ich sehen möchte. Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass sechs Tage sehr gut für eine Stadt dieser Größe ausreichen könnten... da war ich aber offenbar die einzige.
Obwohl ich kein begeisterter Museumsbesucher bin, fiel es mir in NYC nicht sonderlich leicht, Punkte aus meiner Wunschliste zu streichen - Guggenheim, MoMA und MetMuseum wollte ich mir schon ansehen... und dann noch... einiges mehr.

Times Square | HDR
Klar war auch, dass meine Kamera (inklusive des neu bei ebay ersteigerten Sigma 10-20mm Objektivs) ständiger Begleiter sein würde. Zu Lasten der Geduld meiner Reisebegleitung selbstverständlich - hierfür möchte ich mich an dieser Stelle ganz offiziell entschuldigen - oder sollte ich sagen für die Geduld danken. ...aber es hat sich ja auch ein bisschen gelohnt. Ein paar schöne Bilder sind doch dabei herausgekommen.

Schön war eine Situation im Souvenir des Guggenheim Museums: Kersten hat ein Kindheitstrauma meinerseits aufgedeckt und folgendes Foto mit dem Satz "If you didn't have one, your parents didn't love you!" kommentiert (ihr kennt den Spruch vielleicht zu einem Foto von einem Autospielteppich):

Lego Architecture
Na gut, das darf man vielleicht nicht allzu ernst nehmen.
Ernste Themen gibt es genug. Auch in New York. Wir sind da zufällig ungeplant in was reingestolpert. Es gibt ein 9/11 memorial, das sich derzeit noch im Bau befindet und (wenn ich mich recht erinnere) am 11. September diesen Jahres eröffnet wird. Der Bau der eigenetlichen Gedenkstätte ist schon vollendet, das städtebauliche 'Drumherum' jedoch noch in Arbeit. Kersten und ich liefen an den Bauzäunen des riesigen Gebietes vorbei, auf dem einmal das World Trade Center gestanden hatte. Ein Klappschild wies auf einen Ausstellungsraum in einem Ladenlokal hin, in dem ein Modell des memorials steht. Wir gingen hinein und wurde sofort gefragt, ob wir die letzten Karten für die letzte Führung des heutigen Tages haben wollten. Normalerweise war eine Voranmeldung im Internet erforderlich, aber wir bekamen nun so ein Ticket. Es ginge allerdings in fünf Minuten los... Gegen eine kleine Geldspende erhielten wir unser Ticket und hetzten zum anderen Ende der Großbaustelle.

9/11 memorial - Ich bekomme Gänsehaut...
Uns erwarteten zunächst eine Hand voll Sicherheitskontrollen - detaillierter und penibler als am Flughafen! Nach Erreichen der inneren 'Absperrung' des Geländes können wir uns frei bewegen - auch wenn die Zahl der bewaffneten Sicherheitskräft doch ungewohnt hoch ist.
Das Mahnmal bringt mich absolut aus dem Konzept... Ich hatte vorhin etwas von 'einschneidenden Erlebnissen' geschrieben, zu denen ich die New York-Reise nicht zähle.
Den Besuch des 9/11 memorials allerdings schon...

Wir betreten das Gelände zwischen den Bauzäunen hindurch und vor uns erstreckt sich eine durchdesignte Freifläche mit Reihen von eckigen Betonbänken und jungen Bäumen. Die beiden riesigen im boden versenkten "Monumente" kann man aus unserer Perspektive nur erahnen. Wir haben schon am Modell gesehen, dass auf den beiden quadratischen Grundrissen des WTC riesige "Löcher" in den Boden eingelassen wurden.

Modell des 9/11 memorial
Je weiter wir uns der ersten Mauer nähern, die die Absturzsicherung des ersten künstlichen Kraters darstellt, desto lauter wird das Rauschen in unseren Ohren.

Okay... an dieser stelle wollte ich den Post eigentlich fortsetzen. Mangels Lesern spare ich mir aber die Mühe und werde mich fortan wohl eher auf Fotos beschränken. Wer mehr Infos möchte, darf mir gerne eine Mail schreiben.

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